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Bewegung

Bewegung wird groß geschrieben in der Villa Sonnenheim und im i-Tüpfelchen. Und auch das Draußensein in der Natur, auf der Strasse, auf dem Spielfeld, im Schwimmbad, im Garten. Sie müssen so viel still sitzen, unsere Kinder. Da ist die Bewegung wichtig. Sie ermöglicht Entlastung und Ausgleich und sie fordert und fördert viele Prozesse in der Entwicklung. Die Beweglichkeit heutiger Schulkinder ist ja beträchtlich eingeschränkt, die Verletzungshäufigkeit statistisch größer, gleichzeitig herrscht zunehmende Gewaltbereitschaft. Dabei gibt es Befunde der Kindheitsforschung, die eindeutig darauf hindeuten, dass das Bewegungsrepertoire bzw. der Umfang und die Qualität des körperlichen In-der-Welt-Seins eines Kindes "die Entwicklung der Sprachfähigkeit und damit verbunden die Fähigkeit zum sozialen Austausch, zur Bewegungsfähigkeit eng gebunden ist an die Reichhaltigkeit und Differenziertheit der leiblichen Bewegungen und der damit verbundenen Weltberührungen und Selbsterfahrungen ..."  

Und so wird durch Spielen und Lernen auch in der Bewegung viel erreicht. Dies schließt die Auseinandersetzung mit Naturelementen (Wasser, Schnee, Eis, Berge, Wald, Erde), die Auseinandersetzung mit Grundformen des Bewegens (balancieren, klettern, schwingen, rollen), die Auseinandersetzung mit grundlegenden Spielmotiven (Seil springen, Ball schlagen, Rückschlag spielen) mit ein. "... Bewegungssinn, Tastsinn, Gleichgewichtssinn – wenn die mit diesen Grobbezeichnungen angepeilten Umgangsformen mit sich und der Welt verstümmelt oder gar unterdrückt werden – dann verdorren die Wurzeln der Sprach- und Spielfähigkeit.“(Horst Rumpf, 1999, Pädagoge)

Ganz praktisch umgesetzt zeigt sich dies u. a. in den Freizeitgruppen beim Fußballspielen, beim Fahrradfahren, in der Werkstatt, im Winter beim Langlauf, beim Draußensein im Garten und in der Waldhütte. Es wird konkret beim körperlichen Fordern durch Joggen, Schwimmen, Wandern und mittels Naturerlebnissen (Waldhütte, Wildnis- und Erlebnispädagogik, Kanutouren, Mountainbikefahren). Nicht immer sind die Jugendlichen gleich mit Begeisterung dabei, häufig müssen sie den "inneren Schweinehund" überwinden, werden auch mal angewiesen. Die Erfahrungen sind vielfältig, zum größten Teil jedoch positiv: Die Erfahrung "Ich kann." oder "Es geht." wirkt sich auf die Fähigkeit zur Lebensbewältigung insgesamt aus.

Ein Beispiel: Janine war neun, als sie in die Villa Sonnenheim kam. Sie ist in der Stadt aufgewachsen und immer wieder tagelang in ihr herumgestreunt. Sie kennt sich aus mit Zügen, U- und Strassenbahnen. Sie kommt überall hin, auch ohne Geld. Bei uns erlebt sie erstmalig, wie es sich anfühlt, barfuss über eine Wiese zu gehen. Sie ist nie über einen Bach gesprungen und nie auf einen Baum geklettert. Man sieht es ihr an. Auf der ersten mehrtägigen Trekkingtour "läuft sie sich ein". Sie geht wie ein Uhrwerk, mit ihrem Rucksack auf dem Rücken wandert sie ausdauernd und kontinuierlich. Kompliziertere Bewegungsabläufe wie das Balancieren auf schmalem oder abschüssigem Weg bleiben jedoch für sie schwierig, die Unsicherheit kann nicht gleichermassen aufgehoben werden wie bei einem Kind, das dies von Beginn seiner Entwicklung kennt. Und auch im Spielen und kommunizieren muss sie sich üben, es hat Auswirkungen auf ihr ganzes Geworden sein.
 

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